Genre: Power Metal
Label: Eigenproduktion
Spielzeit: 53:48
Vanish - Separated From Today
In jedem Genre, in dem die Melodie im Mittelpunkt steht, ist die
Gefahr des Stillstandes omnipresent. Das gilt vor allem für den Power
Metal und wenn ihr ein Fan des Genres seid, versteht ihr mit Sicherheit,
was ich meine, Horden von HELLOWEEN und STRATOVARIUS-Klonen. Als
solcher könnt ihr sicherlich meine Überraschung verstehen als ich
VANISH’s “Separated From Today” einlegte und eines der frischesten Power
Metal-Alben der letzten Zeit entdeckte.
Was ist nun also VANISHs Schlüssel dazu aus der breiten Masse
hervorzustechen? Progressive Elemente! Die Gitarristen Philipp Schönle
und Thomas Rösch werfen die klischeehaften rauf-runter-rauf-runter Power
Metal Riffs in den Abfall und geben uns ein paar wirklich vertrackte
Strophen. Schönle ist auch ein Held was die Solos angeht, sein Speed-Run
auf “Mankind’s Flaw” sollte genug Beweis dafür sein. Insgesamt gibt es
aber etwas, das sich im Power Metal nie ändern sollte, und zwar die
technischen Zurschaustellungen (solange sie nicht in minuten langes
Gewichse abdriften).
Wenn es ein Gebiet gibt, in dem sich VANISH mehr nach einer anderen
Power Metal-Band anhören, wäre das Sänger Bastian Rose. Aber anstatt ein
weiterer Kiske-Verehrer zu sein ruft Roses ausdrucksstarke Stimme eher
DREAM EVIL’s Niklas Isfeldt und SONATA ARCTICA’s Tony Kakko ins
Gedächtnis. Zum Glück klingt er nicht genau wie sie, da er doch um
einiges opernhafter zu Werke geht als seine skandinavischen Kollegen.
Roses großes Talent (er trifft auf „Separated From Today“ einige
beeindruckend hohe Noten) verhilft der Band dazu einen wirklichen
Durchbruch zu feiern, zu oft habe ich talentierte Bands gehört, denen
ein unterdurchschnittlicher Sänger die Ernte verhagelte.
Abgesehen vom brillanten, herausfordernden Songwriting, eingängigen,
erhebenden Refrains und komplexen Arrangements sticht auf “Separated
From Today” besonders hervor, dass jeder einzelne Song bemerkenswert
anders klingt. Anscheinend sind VANISH keine Fans davon das gleiche
Material immer wieder zu recyclen, es gibt auf dem achtminütigen
„Secrets“ so viel Abwechslung wie auf dem kompletten letzten
MANOWAR-Album und ich liebe es jede Minute in eine andere Richtung
gezerrt zu werden.
“Separated From Today” ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was
passiert wenn man Power Metal mit (oh!) Abwechslung anreichert,
verspielte, aber doch einprägsame Songs, die in eurem Hirn festkleben,
so wie es tun sollen, wenn die Melodie ein wichtiger Bestandteil ist.
VANISH erhalten viele Punkte für ihre talentierten Musiker und das
fordernde, abwechslungsreiche Songwriting, zwei Elemente, die mich
dieses Album von Anfang bis Ende (mit der Ausnahme der Ballade „All Of
It Gone“) genießen lassen. Erst nachdem die letzten Töne von
“Revolution” verstummten, erinnerte ich mich daran, dass VANISH keinen
Vertrag haben. Plattenfirmen, bitte tut was dagegen!
8,5/10 - von Mitch






